Funktion

Die Obstregion Bodensee ist mit rund 7.000 ha Kernobstfläche (Äpfel, Birnen) und einem Produktionsvolumen von 250.000 t neben der Region Niederelbe das bedeutendste Obstanbaugebiet Deutschlands. Der Großteil der jährlichen Apfel- und Birnenernte dieser Region wird von etwa 15 genossenschaftlichen und privaten Unternehmen vermarktet. Dem steht eine große Zahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Verkaufsanbau von Äpfeln und Birnen gegenüber.

Ein ausgewogener und für alle Beteiligten akzeptabler Preis kommt nur zustande, wenn alle möglichst umfassende und vollständige Informationen über die Marktgegebenheiten haben und ihre Verhandlungspositionen daran ausrichten können. Verfügt ein Marktpartner über mehr, genauere oder aktuellere Marktkenntnis, so ist er im Vorteil und kann den Preis zu seinen Gunsten beeinflussen.

Die durch die Marktberichterstattung und durch die Kernobstnotierung erzielte Marktübersicht führt zu einer Verringerung des Preisrisikos für Erzeuger, Vermarkter und auch Verbraucher.

Aufgrund ihrer Bedeutung für den Obstmarkt hat die Kernobstnotierung Bodensee eine Leitfunktion für die Kernobstvermarktung nicht nur im Bodenseegebiet, sondern im ganzen Land erhalten. In anderen deutschen und europäischen Obstregionen (Niederelbe, Südtirol, Steiermark) wurden in den vergangenen Jahren nach dem Vorbild der Kernobstnotierung Bodensee ähnliche Preisfindungseinrichtungen geschaffen.


Geschichte

Bis Mitte der 60er Jahre erfolgte die Preisbildung für Tafel-Kernobst am Bodensee überwiegend auf Obstversteigerungen. Dies führte je nach Ernte zu extemen Preisschwankungen. Deshalb wurde von Dr. Janssen an der damaligen Obstbauversuchsstation Bavendorf der Universität Hohenheim die Notierung entwickelt. Mit der ersten Notierung begann man bereits im Wirtschaftsjahr 1967/68.


Beteiligte

Bei der Kernobstnotierung handelt es sich um eine freiwillige Einrichtung, die von den beteiligten Erzeugerorganisationen, Erzeugern und Vermarktern in Selbstverantwortung getragen wird. Das Land sieht es als seine Aufgabe, die Marktstellung der Landwirte durch diese Notierung zu fördern.


Neutrales Marktstatistikbüro, Marktberichterstattung, Veröffentlichung
Landesstelle für Landwirtschaftliche Marktkunde, Schwäbisch Gmünd, im Auftrag des Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Stuttgart


Notierungskommission


Erzeugerorganisationen

Vermarktungsfirmen

Sitze in der Notierung


Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG (MABO), Friedrichshafen

10 selbständige Obstgroßmärkte

2 Erzeuger + 2 Vermarkter


WOG Württembergische Obst- und Gemüsebau-Genossenschaft eG

5 Obstgroßmärkte der BayWa-WLZ

2 Erzeuger + 2 Vermarkter





Notierungssitzung

Während der Saison findet jeden Dienstag, 10.30 Uhr in den Räumen des Kompetenzzentrums für Obstbau in Bavendorf eine Notierungssitzung statt.

Die Notierungskommission ist paritätisch mit Vertretern der Erzeuger und Vermarkter der verschiedenen Erzeugerorganisationen besetzt. Die Notierungsmitglieder reisen dazu aus der ganzen Region an.

Notierungssitzung Bavendorf

Zu Beginn der Notierungssitzung werden alle Mitglieder der Notierungskommission von der Landesstelle für landwirtschaftliche Marktkunde telefonisch und per Tischvorlage über die Ergebnisse der vergangenen Woche und über die aktuelle Situation am Obstmarkt informiert.

Die eigentliche Notierung erfolgt im 2. Schritt getrennt nach Sorten und Kalibern.

Die notierten Preise sind für den Notierungstag geschätzte Gleichgewichtspreise, zu denen nach Meinung der Kommission die größten Umsätze getätigt werden. Die Notierungskommission hat jetzt die Aufgabe, aus den Informationen der Marktberichterstattung und der eigenen Beurteilung der Marktlage, die Preise am Notierungstag möglichst genau zu beurteilen.

Da die Einschätzung der Teilnehmer sehr unterschiedlich sein kann, geben für ein erstes Meinungsbild zunächst alle Teilnehmer ihre Preiseinschätzung verdeckt ab. Diese werden an einer Tafel gesammelt und aufgezeigt.

Notierung, Preiseinschätzung

Anschließend wird auf Basis der aufgezeigten Preisvorstellungen geheim über jeden einzelnen Preis abgestimmt. Dazu dient als Grundlage der Mittelwert der Schätzungen. Wenn sich für den Vorschlag keine Mehrheit findet, werden höhere bzw. niedrigere Preisnennungen zur Abstimmung gegeben. Das Abstimmungsbild (z.B. 8:0) gibt die Einigkeit der Kommission wieder. Eine Notierungssitzung dauert je nach Sortenzahl ½ bis 1 Stunde.

Die Notierungspreise sind weder empfohlene Preise noch Richtpreise, sondern stellen nur eine kurzgefaßte Beurteilung der Marktlage dar. Die Veränderung zur Vorwoche gibt die Tendenz der Preisentwicklung.

Die tatsächlichen Preise können je nach Lieferumfang und Qualität durchaus von den Notierungen abweichen. Spitzenqualitäten, Kleinverkäufe etc. erzielen entsprechend mehr.

Notiert werden großhandelsfähige Mengen durchschnittlicher Qualität in € je 100 kg netto, ohne Verpackungskosten, ab Station Bodensee.




Marktinformationsbüro

Die Landesstelle für Landwirtschaftliche Marktkunde (LLM) nimmt im Rahmen der Kernobstnotierung die Funktion eines Marktinformationsbüros wahr. Folgende Aufgaben werden laufend (wöchentlich) erledigt:

Sammlung und Auswertung von Daten und Informationen zur Marktbeurteilung:

  • aus der Bodenseeregion:
    • die gesamten Verkaufsabrechnungen aller organisierten Bodenseeobst-Vermarkter
    • Informationsgespräche mit allen Marktleitern
    • Vorratsmengen aller Vermarkter
    • Daten über Erntemengen, etc.

  • aus anderen Region:
    • Informationen aus den konkurrierenden Obstanbauregionen (vor allem Niederelbe, Steiermark, Südtirol, Frankreich, den Beneluxländern und Übersee)
    • Informationen zu konkurrierenden Obstarten (Erdbeeren, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche u.a.)

Berichte und Auswertungen

  • an die Notierungskommission im Rahmen der Notierungssitzung.
  • an die Bodenseeobst-Vermarkter

Veröffentlichung der Ergebnisse

  • Marktbericht für die Obstregion Bodensee (im Abonnement)
  • Notierungsfax (im Abonnement)
  • landwirtschaftliche Fachzeitschriften
 
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