Schafe in der LandschaftspflegeFoto: LVVG

 

  1. Historische Entwicklung der Schafhaltung bis ins 20. Jahrhundert
  2. Rassen
  3. Einsatz in der Landschaftspflege
  4. Links zur Schafhaltung
  5. Kosten
  6. Literatur
  7. Links

1. Historische Entwicklung der Schafhaltung
bis ins 20. Jahrhundert

 
Entwicklung bis zum Mittelalter

Die Domestikation des Schafes erfolgte bereit ca. 10.000 v.Chr. in den Berggebieten Vorderasien. Dort wurde es anfänglich ausschließlich zur Fleischerzeugung genutzt. Um 7000 v.Chr. erreichten die ersten Hausschafe Europa, wo sie zunächst v.a. in Süd- und Südosteuropa genutzt wurden und in dieser Nutzungsform bis in die Bronzezeit das wichtigste Haustier waren. In Mitteleuropa hatten Schafe in dieser Form eine wesentlich geringere Bedeutung. Vermutlich am Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. erfolgte dann die Einfuhr des durch Selektion entstandenen „Wollschafes“ in Europa. Im 2. Jahrtausend vor Christus wurde Wolle schließlich zur dominierenden Textilfaser in Mitteleuropa. Seit dieser Zeit stand die Woll- und Milcherzeugung bei Schafen im Vordergrund, so dass die Tiere dahingehend gezüchtet wurden. In den folgenden Jahrhunderten spielte die Schafhaltung mit ihren Produkten (Wolle, Milch, Fleisch) in Einzelschafhaltung und auf den Allmenden eine wichtige Rolle im Rahmen der bäuerlichen Selbstversorgung. Die besondere Bedeutung der Schafhaltung lag darin, dass sie die Nutzung von sehr steilen, flachgründigen, trockenen oder abgelegenen Bereichen, in denen eine anderweitige landwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage kam, erlaubte.

 
Entwicklung vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Von wesentlich größerer Bedeutung als die bäuerliche Schafhaltung war für die wirtschaftliche Entwicklung in Südwestdeutschland jedoch die Wanderschäferei. Diese erhielt in Württemberg den entscheidenden Aufschwung im späten Mittelalter, als seitens der Landesherren versucht wurde, durch Schafbeweidung die während der Wüstungsperiode aufgegebenen landswirtschaftlichen Flächen wieder einer Nutzung zuzuführen. Dazu gehörte die sog. „Triftgerechtigkeit“, die der Landes- bzw. Gutsherrschaft das Recht einräumte, die Felder ihrer Untertanen mit ihren Schafherden zu beweiden. 1746 wurde die herrschaftliche Schäferei in Südwestdeutschland beendet. Die Schäferei wurde nunmehr von Privatschäfern betrieben, die die Wanderungen weiter ausdehnten, und so unabhängig von der Stallhaltung wurden. Es entwickelte sich die echte Transhumanz in Form der Wanderschäferei wie wir sie heute noch vorfinden. Mit der progressiven Bevölkerungsentwicklung nach dem Dreißigjährigen Krieg und einem höheren Bedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen, sind zunehmend Auseinandersetzungen um die Nutzung der Schafweiden zu verzeichnen. Die Weiden wurden allmählich auf die ungünstigsten Standorte zurückgedrängt, gleichzeitig aber so intensiv wie möglich genutzt. Trotz zunehmender Nutzungskonflikte erlebte die Schafhaltung auf der Schwäbischen Alb ihre Blütezeit in der ersten Hälfte des 19. Jhdts.. In der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. verschlechterte sich die Lage der Schäferei jedoch zusehends, v.a. aufgrund der Einfuhr billiger Wolle aus Australien. In den Jahren von 1873 bis 1926 verringerte sich die Zahl der Schafe in Württemberg von 577 000 auf 128 000 – auf ein Viertel des ursprünglichen Bestandes (BEINLICH 1995: 97ff).

 
Entwicklung der Schäferei im 20. Jahrhundert

Während des Dritten Reichs nahmen die Schafbestände in Baden-Württemberg leicht zu, erreichten aber Mitte der 60er Jahre mit nur 116 000 Tieren ihren historischen Tiefstand. Seither sind die Schafzahlen in Baden-Württemberg wieder angestiegen. 2006 lag der Bestand in Baden-Württemberg bei 315.700 Tieren in ca. 4.200 Betrieben. Davon sind etwa 260 Vollerwerbsbetriebe, für die die Schafhaltung - oft in Verbindung mit Direktvermarktung - den Hauptbetriebszweig darstellt. Die Tier- und Betriebszahlen stagnieren seit der Jahrtausendwende bzw. sinken seit 2002 leicht. Für die nächsten Jahre wird keine große Änderung prognostiziert (RÖSCH, C. et al. 2007).

Es erfolgte eine zunehmende Umstellung von der Woll- auf die Fleischproduktion, was ein besseres Futterangebot für die Schafe voraussetzt, denn die Magerrasen liefern bei intensiver Beweidung nicht genügend Nährstoffe für die Fleischproduktion. Entsprechend hat die Zahl der Wanderschäfer beträchtlich abgenommen, wogegen der Anteil der Betriebe mit Koppelhaltung sich von 1976 bis 1986 mehr als verdoppelt hat (siehe Tab. 1). Die Herdengröße hat häufig zugenommen. Die vorherrschende Schafrasse in der Hütehaltung in Baden-Württemberg ist das Merinolandschaf. Rund 90% aller Tiere gehören dieser Rasse an (BEINLICH 1995: 102ff), inzwischen häufiger mit Suffolk-Einkreuzung.

In Baden-Württemberg werden derzeit nur ca. 1 kg Lammfleisch je Kopf und Jahr verzehrt im Vergleich zu über 40 kg Schweinefleisch - und selbst diese geringe Menge stammt dann in der Regel nicht aus heimischer Schafhaltung, sondern aus Neuseeland. Ein verstärkter Konsum heimischen Lammfleischs - häufig ab Hof oder auf Wochenmärkten vermarktet - dient der Erhaltung schöner und aus Naturschutzsicht wertvoller Landschaften und kann darüber hinaus Fleisch aus weniger tierfreundlicher Haltung ersetzen. Der Landesschafzuchtverband führt eine Liste direktvermarktender Betriebe.

 

 

Zahl der Herden (Betriebe)

Schafbestand

Haltungsform

1976

1986

Diff. %

1976

1986

Diff. %

Hütehaltung

38

33

- 13

14.959

16.800

+ 12

Wanderschäferei

356

293

- 18

131.019

144.000

+ 10

Einzelhaltung

7.161

7.000

- 3

8.400

10.000

+ 19

Koppelhaltung

790

1.750

+ 122

11.600

45.000

+288

Tab. 1: Änderung der Haltungsformen in Baden-Württemberg. Aus: BEINLICH 1995: 105

2. Rassen

*             extensive Rassen

~             halbintensive Rassen

#             intensive Rassen

Rasse

Herkunft

Eigenschaften

Besonderheiten

Bentheimer Landschaf*

Emsland

Beste Muttereigenschaften und Säugeleistung; Ablammergebnis 130 – 150%; hervorragende Fleischqualität; Jahreswollmenge (Bock) 4 – 5kg

Gute Marschfähigkeit, moderhinkefeste Klauen, daher besonders geeignet in Hütehaltung zur Landschaftspflege in Moor- und Heidegebieten

Bergschaf, Braunes und Weißes Deutsches *

Bayern, Tirol

Frühreif und sehr fruchtbar; tägliche Zunahme der Lämmer bis 310g; Wollertrag 4 – 5kg

Beste Eignung für niederschlagsreiche Berggebiete, große Steig- und Trittsicherheit

Bergschaf, Schwarzbraunes (Juraschaf, Elbschaf)

Schweiz

 

 

Blauköpfiges Fleischschaf#

Normandie/ Ardennen

Hohe Fruchtbarkeit, leichte Ablammung, Ablammergebnis 202%; tägliche Zunahme der Lämmer 370 – 430g, Schlachtausbeute 48%

Während der Hochträchtigkeit intensive Fütterung notwendig, neugeborene Lämmer kälteempfindlich; besonders geeignet für Koppelschafhaltung

Charollaisschaf

Mittelfrankreich

Fleischschaf, frühreif und sehr fruchtbar, tägliche Zunahme 350 – 400g, Schlachtausbeute ca. 51%

 

Coburger Fuchsschaf*

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Europäische Mittelgebirge

Feine Wolle in interessanter Farbe, Fleisch bei Feinschmeckern geschätzt

Wollfarbe „goldenes Vlies“; anpassungsfähig und genügsam

Deutsches Karakulschaf*

Westturkistan

Pelzschafrasse, mäßige Wollqualität, 2,5 – 4kg; Fleisch fettarm, Geschmack wildähnlich; Fell der Lämmer „Persianer“

Anspruchslos, widerstandsfähig und langlebig; angepasst an Steppen- und Halbwüstenklima, daher weniger geeignet für feuchtes Klima

Deutsches Schwarzköpfiges Fleischschaf~

England

Tägliche Zunahme 420 – 450g, Schlachtausbeute 50 – 52%

Weide-, marsch- und pferchfähig

Deutsches Weißköpfiges Fleischschaf

Nordseeküste

Sehr fruchtbar

Sehr widerstandsfähig und anpassungsfähig, gewöhnt an raues Küstenklima; besonders geeignet zur Landschaftspflege an Küsten und Deichen

Gotländisches Pelzschaf*

Gotland

Fruchtbar, häufig Zwillingsgeburten

Robust, langlebig; Eignung für feuchtkaltes Klima und Freilandhaltung

Graue gehörnte Heidschnucke*

Lüneburger Heide

 

Ernährung von Heidekraut und Birkenaufwuchs, anspruchslos und widerstandsfähig; besonders geeignet zur Landschaftspflege in Heidegebieten

Islandschaf*

Island

Tägliche Zunahmen 250 – 300g/d ohne Zufütterung; Ablammergebnis 170 – 180%; gute Mütter; Wolle weltbekannt

Robust, anspruchslos; wird in Island meist das ganze Jahr über draußen gehalten; Lämmer werden im Herbst geschlachtet, nachdem sie den Sommer über ohne Zufütterung in den Bergen gelebt haben; möglicherweise die älteste domestizierte Schafrasse; wachsam, geringer Herdeninstinkt.

Kamerunschaf*

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Westafrika

 

Haarschaf, muss nicht geschoren werden

Kärntner Brillenschaf*

Kärnten

Gute Fruchtbarkeit, hohe Milchleistung, schnell wachsende Lämmer

Robust, anspruchslos

Krainer Steinschaf*

Alpenraum

Vorrangig zur Milchgewinnung mit Käseproduktion; 5 Monate Laktationsdauer, 1,5l Milch/ Melkvorgang; tägliche Zunahme der Mastlämmer bis 200g

 

Leineschaf*

Leinetal zwischen Hannover und Göttingen, Eichsfeld

Gute Säugeleistung der Muttertiere; gute Fleischleistung, tägl. Zunahme 300 – 400g, Schlachtausbeute 48%; Wollertrag 3,5 – 4kg

Robust und anspruchslos; geeignet für Wanderschäferei und Koppelhaltung

Merino-Fleischschaf~

Spanien

Sehr feine Wolle; tägliche Zunahme der Lämmer 350 – 400g, Schlachtausbeute ca. 50%

Besonders geeignet für futterwüchsige Böden in Acker- und Grünlandgebieten in Hüte-, Koppel- und Stallhaltung

Merino-Landschaf~

Spanien

Sehr feine Wolle, Wollertrag der Mutterschafe 4 – 5kg; tägliche Zunahme der Lämmer 400g, Schlachtausbeute 50%

Widerstandsfähig, marsch- und pferchfähig

Merino-Langwollschaf~

Spanien

Schlachtlämmer, tägliche Zunahme ca. 400g; frohwüchsig und fruchtbar; kammfähige Halbfeinwolle

Geeignet für Landschaftspflege

Moorschnucke * = (Weiße Hornlose Heidschnucke)

Moorgebiete Niedersachsens

Gute Muttereigenschaften und beständige Aufzuchtleistung; Fleisch gilt als Delikatesse

Eine der leichtesten deutschen Schafrassen. Optimale Anpassung an karges Futterangebot in Feuchtbiotopen; frisst auch harte Gräser und jungen Baumbewuchs, darf kein fettes Weidefutter bekommen; hervorragend geeignet zur Landschaftspflege in Moor- und Feuchtgebieten

Orkney (North-Ronaldsay)* (auf Englisch)

Orkney-Inseln

 

Sehr robust, klein, spätreif; Ernährung von Seegras; Tendenz zu selbständigem Wollabwurf; besonders geeignet zur Landschaftspflege auf Küstenstreifen

Ostfriesisches Milchschaf#

Ostfriesland

Milchgewinnung, 400 – 600kg Milch pro Laktation; sehr fruchtbar; Ablammergebnis 200 – 300%

Widerstandsfähig und anpassungsfähig; auch zur Einzelschafhaltung geeignet

Rauhwolliges Pommersches Landschaf*

Küstenregionen Pommerns, Mecklenburg, Polen, Ostpreußen

Wollertrag 4 – 6kg/ Jahr; traditionell Milchschaf für Eigenversorgung; Fleisch fettarm, wildartiger Geschmack

Sehr genügsam; angepasst an raues Küstenklima, unempfindlich gegen Klauenerkrankungen auch in Feuchtgebieten; geeignet sowohl für magere Sand- und Moorböden als auch für feuchte Weiden

Rhönschaf*

Rhön

Große Fruchtbarkeit, hohe Fleischqualität

Widerstandsfähig gegen feucht-kalte Witterung, anspruchslos, marsch- und pferchfähig

Romanov*

Russland

Fellgewinnung; blaugraue Mischwolle aus schwarzem Kurz- und langem Weißhaar

Anspruchslos und widerstandsfähig

Rouge de Roussillon*

Französische Pyrenäen

Hauptsächlich Fleischertrag; Lämmer werden bei ca. 27kg geschlachtet

Besonders robust und leistungsfähig bei hohen Temperaturen (40°C) aber auch bei kalter Witterung; auch bei kargem Futterangebot zufriedenstellende Leistung

Shropshire

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Großbritannien

Gute Muttereigenschaften, häufig Zwillingsgeburten; Böcke häufig als Kreuzungsböcke, um bessere Fleischqualität zu erreichen.

Robust und ruhig; Verbeißen Triebe der jungen Nadelbäume nicht oder nur wenig, daher geeignet im Forst oder in Baumschulen

Skudde*

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Masuren

Wollertrag ca. 2kg mittelfein; mageres wohlschmeckendes Fleisch, viele Zwillingsgeburten

Sehr robust auch bei extremem Klima; kleinste mitteleuropäische Schafrasse; sehr widerstandsfähig und genügsam; besonders geeignet zur Beweidung karger Standorte, v.a. Heidegebiete

Soay*

Soay (Insel vor Schottland; Soay = Schafinsel)

Beste Ablammeigenschaften; mäßiges Haarwachstum mit 5 – 7cm jährlich; Wolle wird im Sommer abgeworfen

Sehr genügsame widerstandfähige „Wildrasse“ (unterscheidet sich kaum vom domestizierten Schaf der Steinzeit), gute Anpassung an extensive Haltungsformen; lässt sich nicht von Hunden treiben

Steinschaf*

Bayrische Alpen und Voralpen

Wohlschmeckendes zartes Fleisch, kaum Fettansatz; verschiedenfarbige Wolle

Widerstandsfähig und wetterhart, genügsam und langlebig; passt sich unterschiedlichsten Umweltverhältnissen ; besonders geeignet für karge Böden in Hochlagen

Suffolk#

Großbritannien

Fleischschaf; tägliche Zunahme der Lämmer 450 – 490g, Schlachtausbeute 52 – 54%

Optimaler Fleischertrag nur bei guten Haltungs- und Fütterungsbedingungen

Texel#

Niederländische Insel Texel

Fleischschaf; tägliche Zunahme der Lämmer 400g, Schlachtausbeute 50 – 54%; Wollertrag 4 – 5kg/ Jahr, mittelfein

Besonders geeignet für Koppel- und Intensivhaltung

Walachenschaf*

Mittelgebirgsregionen der Slowakei, Rumänien

Traditionelle Milchrasse zur Käseherstellung

Extrem genügsam und wetterhart; ganzjährige Freilandhaltung möglich; geringe Parasitenanfälligkeit; alpfähig; auch auf Trockenstandorten geeignet

Waldschaf*

Weiterer Link

Bayrischer Wald, Böhmerwald und Mühlviertel

Hohe Fruchtbarkeit, gute Muttereigenschaften und Milchleistung; lange schlichte Wolle

Robust und genügsam; besonders geeignet für extensive Weidestandorte im Mittelgebirge

Weiße Gehörnte Heidschnucke*

Süd-Oldenburg, Moorgebiete Niedersachsens

Zartes wildbretartiges Fleisch

Besonders geeignet zur Landschafspflege in Moorgebieten und auf Sandheiden; frisst auch Besenheide

Zackelschaf

Ungarn

 

 

*             extensive Rassen

~             halbintensive Rassen

#             intensive Rassen

 

3. Einsatz in der Landschaftspflege - Haltungsformen, Weideführung, Eignung -

 

Viele Biotoptypen (z.B. Kalkmagerweiden, Heiden) sind durch jahrhundertelange Schafbeweidung – vor allem durch Wanderschäferei – entstanden; entsprechend eignet sich die Schafbeweidung insbesondere, um diese Biotoptypen zu erhalten.

Schafe eignen sich – je nach Rasse – zur Pflege fast aller Flächen von ebenem bis zu steilem Gelände, von trockenen bis zu nassen Standorten und selbst für Flächen mit geringstem Futterertrag. Aufgrund der geringen Trittbelastung durch die Schafbeweidung besteht kaum Erosionsgefahr. Spezielle Naturschutzziele können durch die Möglichkeit des flexiblen und unterschiedlich intensiven Abhütens erreicht werden. Durch den Einsatz der Schippe kann der Schäfer bei der Dauerpflege mitwirken, indem er für ihn unerwünschte Arten wie Distel oder Gehölzjungwuchs aussticht bzw. abhackt (LOHRMANN 1956 in SCHUMACHER, MÜNZEL UND RIEMER 1995: 50).

 

Haltungsformen

Besonders zur Landschaftspflege geeignet ist die Wanderschäferei, da die Schafe in Fell, Hufen und Kot Pflanzen(-Samen) und kleine Tiere (Schnecken, Heuschrecken, Eidechsen etc.) transportieren, so dass sich diese Arten durch die Schafe ausbreiten und Isolationseffekte, die in unserer stark fragmentierten Landschaft zunehmend das Überleben von Arten gefährden, vermindern (FISCHER, POSCHLOD UND BEINLICH 1995: 229ff). Außerdem kommt es durch den Nährstofftransfer von den Weideflächen auf die Pferchflächen zur gewünschten Aushagerung.

Aber auch die Hüteschafhaltung wirkt sich sehr positiv in der Landschaftspflege aus, da für die Winterstallhaltung Heu benötigt wird, das unter Umständen von vielerorts aus der Nutzung fallenden mageren Salbei-Glatthaferwiesen gewonnen werden kann – so werden praktisch „zwei Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen.

Koppelhaltung wird für landschaftspflegerische Zwecke im allgemeinen kritisch gesehen, da hier die Gefahr der Überdüngung und zu starken Beweidung gesehen wird. Es gibt jedoch einige Versuche, bei denen insbesondere mit Großkoppeln gute Erfolge erzielt wurden (siehe hierzu: Pflege von Kalkmagerrasen im NSG „Weper“). Demzufolge ist die Koppelschafhaltung bei gutem Weidemanagement durchaus auch für die Landschaftspflege in Erwägung zu ziehen.

Die Einzelschafhaltung spielt bislang keine Rolle für die Landschaftspflege.

 

Haltungsform

Definition

Naturschutz-Aspekte

Waldweide

Auftrieb von Weidetieren in Wäldern; ursprünglichste und primitivste Form der Weidenutzung; bis ins 19. Jhdt. Mitursache der Waldzerstörung (keine Naturverjüngung); heute nach den Landesforstgesetzen verboten.

Historische Landnutzungsform, für die Erhaltung noch bestehender Hutewälder notwendig; zur Sicherung der Funktionsfähigkeit alpiner Schutzwälder Ablösung noch bestehender Waldweiderechte erforderlich (Erosions-,  Lawinen- und Artenschutz) (1).

Alpung bzw. Sömmerung

Selbständiger Weidebetrieb in abgelegenen Zonen der Mittel- und Hochgebirge (Sömmerung/ Almwirtschaft); Auftrieb größerer Viehherden mit einem der Vegetationsentwicklung folgenden Weidewechsel; geringe bis keine Unterteilung der Weide; keine bzw. geringe zeitliche Beschränkung der Nutzung.

Ausbreitung anthropo-zoogener Rasen, in den Alpen Überformung natürlicher Rasengesellschaften; Verschiebung der Waldgrenze bei gleichzeitigem Lawinen- und Erosionsschutz; überwiegend positiv zu bewerten (2); Gefahr der Erosion (3) und des Artenrückgangs (4) bei unsachgemäßer Weideführung.

Wanderschafhaltung

Empfehlungen zur Wanderschafhaltung  (nur interne Nutzung möglich)

 

Gehütete und geführte Schafherden (gelegentlich mit Ziegen); Einsatz von Schäferhunden; keine Zäune/ Koppeln; Tiere nur während der Grasezeit auf der Fläche, nach Sättigung erfolgt einkoppeln auf engem Raum (Tages-/ Nachtpferch).

Bei der Wanderschafhaltung im engeren Sinne legen Schafe und Schäfer (klassisch mit Schäferkarren) die Wegstrecken zwischen den Weideflächen nicht in Fahrzeugen, sondern zu Fuß; ansonsten spricht man von Hütehaltung. Die Wanderschafhaltung kann auch mit Stallhaltung oder andern Weideformen  im Winter verbunden werden. Problematisch für diese Haltungsform ist die zunehmende Zerschneidung der Landschaft bzw. die Verschlechterung des Triftwegenetzes. Die Ertragssituation wird durch das Wandern ungünstiger (höherer Kalorienverbrauch der Schafe, weniger beweidete Flächen pro Zeiteinheit) und der Wanderschäfer hat lange Abwesenheitszeiten von Familie und sonstigem sozialen Kontext.

Historisches Landnutzungssystem, auch und gerade auf Grenzertrags-Standorten möglich; zur Erhaltung von Heiden und Magerrasen notwendig; Aushagerung der Weideflächen, aber Eutrophierung der Koppelplätze, diese möglichst auf Ackerland; starke Schwankung der Beweidungsintensität je nach Ausgestaltung der Hütetechnik; im engen Gehüt kurzfristig hohe Besatzdichten. Je nach Weideführung kann auf unterschiedliche Pflegeziele Rücksicht genommen werden. Es erfolgt die Ausbreitung von Samen und Tieren durch die Schafe über weite Strecken hinweg, Isolationseffekte werden gemindert.

Stationäre Hütehaltung

Im Sommer wird Hütehaltung auf möglichst stallnahen Flächen betrieben, im Winter kommt die Herde in den Stall. Voraussetzung hierfür sind ein winterfester Stall und ausreichendes Winterfutter sowie Lagerflächen dafür. Vorteile für den Schäfer/die Schäferin im Vergleich zur Wanderschafhaltung sind ein besseres Aufzucht- und Mastergebnis und bessere Direktvermarktungsmöglichkeiten. Außerdem muss der Schäfer/die Schäferin nicht zeitweise auf das soziale Umfeld verzichten.

Vgl. Wanderschafhaltung. Die Verbreitung von Samen und Tieren ist nicht so weiträumig und effektiv wie bei der Wanderschafhaltung.

Evtl. können nahegelegene aus der Nutzung gefallene Salbei-Glatthaferwiesen zur Winterfuttergewinnung genutzt werden

Extensive Standweide

Ständige bzw. fast ununterbrochene Weidenutzung nicht bzw. gering gedüngter Flächen; Besatzdichte gleichbleibend oder an saisonales Futterangebot angepasst.

I. A. sind feste Zäune erforderlich (Kostenfaktor!). Geringster Arbeitsaufwand im Vergleich der Haltungsformen, daher auch für Nebenerwerb geeignet. Höherer Parasitendruck als bei Hütehaltung.

Durch selektive Unterbeweidung im Frühjahr bzw. selektive Überbeweidung im Sommer starke Differenzierung in der Vegetation, „Strukturreichtum“; bei niedrigen Besatzdichten Schonung der Bodenbrüter, Überalterung ungern gefressenen Futters, dadurch u.U. mechanische Weidepflege erforderlich.

Koppelweide

Empfehlungen zur Koppelschafhaltung  (nur interne Nutzung möglich)

Koppelschafhaltung (Arbeitskreis Höhenlandwirtschaft)  (nur interne Nutzung möglich)

Teilung der Weidefläche in mehrere gleich große Teilflächen, welche in einem 6-8 wöchigen Turnus nacheinander beweidet werden; sowohl bei extensiver (keine/ geringe Düngung) als auch bei halbintensiver Bewirtschaftung üblich. Im Winter Stallhaltung (vgl. stationäre Hütehaltung). Bei (halb-)intensiver Bewirtschaftung auch für Intensivrassen (Fleischrassen) geeignet.

Aushagerung bzw. „Strukturreichtum“ auf Koppelweiden nur bei geschicktem Management erzielbar; Regeneration von Blühhorizonten nur bei kurzen Fresszeiten und langen Ruhezeiten (5); zur Pflege kleinflächiger Biotope geeignet.

Umtriebsweide

Stärkere Unterteilung der Weidefläche als bei der Koppelweide (z. B. durch Kombination fester und mobiler Weidezäune); der Aufwuchs wird innerhalb von 2 bis 5 Tagen abgeweidet, dann werden die Schafe umgestellt; dadurch relativ hoher Arbeitsaufwand. Es sollten mindestens 8 Koppeln vorhanden sein, um Regeneration zu ermöglichen. Ansonsten vgl. Koppelweide.

Im NSG i.d.R. nicht angebracht; Ausnahme: gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt hoher Beweidungsdruck auf Sukzessionsflächen zur Zurückdrängung bzw. Reduzierung von Altgrasfilzen und Gebüschen.

Portionsweide

Arbeits- und ertragsintensive Haltungsform (hohe N-Düngung üblich). Eng begrenzte Futterzuteilung mit 1–2mal täglich versetzten Elektrozäunen. Starke Herabsetzung der Selektionsmöglichkeiten durch Futterkonkurrenz zwischen den Tieren: rasches Abweiden, geringe Weidereste. Ansonsten vgl. Koppelhaltung.

Extrem hohe Besatzdichten im Bereich des zugeteilten Futters; nahezu vollständiges Abweiden des Aufwuchses; Gefahr von Trittschäden und Erosion auf entsprechenden Standorten, insbesondere an Weidetoren und auf Triebwegen; im NSG grundsätzlich abzulehnen.

Intensive Mähstandweide

Stark gedüngte Weiden ohne strenge Koppelzuteilung. Der größte Teil bei hohen Besatzdichten in ständiger Weidenutzung; auf wechselnden Teilflächen (Pflege-)Mahd; konstanter Weideertrag durch Steigerung der Düngungsintensität im Jahresverlauf möglich.

Intensivste Form der Grünlandnutzung; N-Aufwand bis 400kg/ha; artenarme Weidelgrasweiden, großflächig ohne Strukturen (kaum Blüten) da vom Vieh kurzgehalten bzw. Nachmahd; Grasnachsaat, häufig auch Herbizideinsatz; im NSG grundsätzlich abzulehnen.

Winterweide

Freilandhaltung während der Vegetationsruhe; Tiere sind gezwungen, überständiges und abgestorbenes Futter aufzunehmen; auch Verbiss von Gehölzen; häufig zwangsläufig mit Zufütterung verbunden.

Neuerdings auch in NSG angewendet; Vorteil: geringere Störung der Biotope als bei Beweidung während der Vegetationsperiode; robuste Landrassen erforderlich; Aber: Gefahr der Eutrophierung sowie Erosion und Narbenschäden bei zu langen Fresszeiten während ungünstiger Bodenverhältnisse.

Tüdern

Anbindehaltung, Versetzen des Pflocks nach der Weideführung; arbeitsaufwendig, nur bei wenigen Tieren geeignet

Nur bei sehr kleinen, ungezäunten Flächen und kurzfristigem Einsatz geeiget.

(1) ANL 1982, (2) HELM 1988, (3) SPATZ 1981, (4) ANL 1982, (5) KLAPP 1965

Tab. 2: Beweidungssysteme und Naturschutzaspekte aus SCHUMACHER, MÜNZEL UND RIEMER 1995: 51; ergänzt

 
Weideführung

Die ökologische Bedeutung beweideter Flächen ist in hohem Maße von der jeweiligen Ausgestaltung der Weideführung abhängig. Selbst bei standortgerechtem Weidesystem und geeigneter Tierart kann das biotopspezifische Arteninventar durch eine unsachgemäße Weideführung beeinträchtigt werden. Besonderen Wert sollte gelegt werden auf:

  • Weidedauer: die maximale Weidedauer aus Naturschutzsicht sollte sich – sofern sich nicht zuviel überständiges Material ansammelt - an einem ausreichenden Restbestand von Blüten und Strukturelementen orientieren.
  • Ruhezeit: zur Regeneration der Pflanzen und Rückwanderung der geflüchteten Tierarten sechs bis acht Wochen Pause für eine Fläche zwischen zwei Weidegängen.

  • Besatzstärke: abhängig von der Futterleistung des Standorts ( siehe Tab. 3).

  • Pflegemaßnahmen: ergänzend bei Unterbeweidung

  • Hütetechnik: bei engem Gehüt schneller Verbiss bestimmter Blüten; bei weitem Gehüt stärkere Selektion

Nährstoffertrag der Weidefläche

 

 

KStE/ha

Güte der Weide

 

 

 

(Biotoptyp)

Entsprechender Heuertrag

 

 

(dt/ha)

Besatzstärke bei 180 Weidetagen*

 

(PE** einer ext. Rasse/ ha)

Besatzstärke bei vollständiger Gewinnung des Winterfutters (GV***/ha*/a)

300 – 450

ärmste Berghutungen, Heiden/ Heidemoore, Pfeifengrasbestände

ca. 15

1,8 – 2,8

0,1 – 0,2

450 – 750

Geringe Almen, Borstgrasrasen

15 – 25

2,8 – 4,6

0,2 – 0,35

750 – 1.000

Mittlere Almen, Kalkmagerrasen

25 - 35

4,6 – 6,1

0,35 – 0,46

1.000 – 1.300

Nassweiden, Rotschwingel-Magerweiden

35 - 45

4,0 – 6,1

0,46 – 0,6

1.300 – 2.000

Extensives Grünland, trockene Weidelgras-Weiden

45 - 70

4,0 – 12,3

0,6 – 0,9

*          bei längerer Weideperiode könnten entsprechend weniger Mutterschafe aufgetrieben werden!

**         1 PE = Produktionseinheit = 1 Mutterschaf + 1 Lamm + 0,02 Schafböcke = 0,15 GV

***        1 GV = Großvieheinheit (= 500kg Lebendgewicht)

Tab. 3: Umfang möglicher Schafhaltung in Abhängigkeit von der Futterwüchsigkeit des Standortes (aus: SCHUMACHER, MÜNZEL UND RIEMER 1995: 53)

 

Die Frage, welche Rassen sich für die Landschaftspflege am besten eignen, ist oft nur schwer zu beantworten. Von Seiten des Naturschutzes wird die Haltung alter Landschafrassen für sinnvoll gehalten, da diese häufig vom Aussterben bedroht sind. Zudem erbringen alte, genügsame Rassen den angestrebten Pflegeerfolg auch auf oftmals jahrzehntelang brachliegenden und verfilzten Flächen. Wie Erfahrungen mit Merinolandschafen aus Baden-Württemberg und Thüringen  bzw. mit Schwarzköpfigen Fleischschafen in Hessen und Nordrhein-Westfalen bestätigen, sind auf vielen Standorten auch halbintensive Rassen (z.B. alle Merinorassen, Schwarzköpfiges Fleischschaf) in der Lage, Kalkmagerrasen dauerhaft zu beweiden. Voraussetzung ist aber, dass diesen Herden zusätzlich zu den Magerrasen ein höherer Anteil durchschnittlichen Grünlands als bei einer Beweidung mit Extensivrassen zur Verfügung steht. Für die anspruchsvollen Hochleistungsrassen ( z.B. Texel, Suffolk) sind solche Nachweise bisher noch nicht erbracht worden (SCHUMACHER, MÜNZEL UND RIEMER 1995: 54ff).

 

Eignung der Schafrassen zur Pflege bestimmter Biotope

 

Biotop-Typ

Haltungsform

Zeitpunkt und Dauer der Beweidung

Rasse

Einschränkung*

Ergänzende Maßnahmen

Wacholderheide

Standort-gebundene Hütehaltung oder Wanderschäferei; Koppel-schafhaltung nur, sofern das Pflegeziel ausschließlich die Erhaltung des Wacholders ist

Frühjahrs- und Sommerweide

Schnucke oder andere Landschaf-rasse; Merino-landschaf (+Ziegen)

 

Mahd Okt.-März

 

Entbuschen der den Wacholder verdämmen-den Gehölze Aug.-März

Borstgrasrasen und Besenginsterweiden

Wanderschäferei oder standortgebundene Hütehaltung;

auch Koppel-schafhaltung

Frühjahrs- und Sommerweide; besonders im Herbst Beweidung der Besenheide

Landschaf-rassen, v.a. Merino-landschaf (+Ziegen)

 

Entbuschen Aug.-März

 

Mahd Okt.-März

Kalkmagerrasen

Wanderschäferei oder standortgebundene Hütehaltung;

keine

Koppel-schafhaltung

Frühjahrs- und Sommerweide

Merinolandschaf und Landschaf-rassen (+Ziegen)

Je nach Schutzziel sind Teilparzellen mit verbiß- und trittempfindlichen Arten (z.B. Orchideen) in deren Blühphase nicht zu beweiden

Mahd je nach floristisch-vegetations-kundlichem Schutzziel zwischen Juni und Oktober; bei verfilzten Flächen vor der Beweidung erforderlich

 

Entbuschen Aug.-März

Wirtschaftsgrünland incl. Feuchtwiesen

Koppel-schafhaltung, standortgebundene Hütehaltung oder Wanderschäferei

Frühjahrs- und Sommerweide

Alle Schafrassen

Teilparzellen mit verbiß- und tritt-empfindlichen Arten (z.B. Orchideen) sind in deren Blühphase nicht zu beweiden

Mahd 1-2mal jährlich Mitte Juni und September

Deiche und Dämme

Standortgebundene Hütehaltung oder Koppelschaf-haltung

Beweidung in der Vegetations-periode

Alle Rassen, bevorzugt Fleischschaf

 

 

Brachflächen

Wanderschäferei oder standortgebun-dene Hütehaltung; Koppelschaf-haltung, sofern das Pflegeziel nur darin besteht, die Flächen offen zu halten

Frühjahrs- und Sommerweide

Alle Schafrassen, bevorzugt Landschaf-rassen der Region oder Merino-landschaf

 

Mahd in mehr-jährigem Abstand ab Oktober

 

Entbuschen Aug.-März

Hanglagen im Alpenraum (Adelegg)

Standortgebundene Hütehaltung und Wanderschäferei

Sommer-weide auf den Almen

Bergschaf

Hochgradig erosions-gefährdete Partien mit lockeren, steinigen Böden sind nicht zu beweiden

 


Nach FRIELINGHAUS 1998

 

4. Links zur Haltung

5. Kosten

Tabellen zur Kostenrechnung:

Deckungsbeiträge und Arbeitsverwertung in Wanderschafhaltung, stationärer Hütehaltung und Koppelschafhaltung nach verschiedenen Autoren

Kostenrechnungen zur Koppel- und Wanderschafhaltung mit Direktvermarktung oder Vermarktung über den Handel (Berechnungen der LEL)

Zusammenfassung der Tabellen:

Bei der Wanderschäferei lässt sich feststellen, dass die Marktleistung des einzelnen Schafes kaum die variablen Spezialkosten übersteigt. Die Kalkulationen von FRIELINGHAUS 1998 fallen aufgrund der nicht berechneten Grundfutterkosten erheblich günstiger aus, da das Grundfutter selbst gewonnen und nicht zugekauft wird. Bei den anderen Kostenposten bestehen in der Wanderschäferei zwischen FRIELINGHAUS und TAMPE UND HAMPICKE kaum Unterschiede, so dass die selbständige Gewinnung des Winterfutters den Unterschied zwischen einem mäßigen Deckungsbeitrag pro Mutterschaf und einem negativen Deckungsbeitrag ausmacht. Würde man allerdings die zur Winterfuttergewinnung zusätzlich benötigten Stunden berechnen, läge der Stundenlohn in beiden Fällen gleich niedrig. Das erzielte Arbeiteinkommen (ohne MEKA) liegt bei durchschnittlich 50 €/ Mutterschaf.

In der Hütehaltung kommt man auf ein ähnliches schlechtes Ergebnis. Selbst bei Ausschöpfung aller Zulagen (MEKA nur Grundförderung) wird bei TAMPE und HAMPICKE ein Arbeitseinkommen von nur 15,57€/ Mutterschaf erzielt, wogegen im Maximalfall nach FRIELINGHAUS (MEKA G und >35% Hangneigung) sogar 116,64€ erreicht werden können.

In der Koppelschafhaltung kommen die verschiedenen Autoren auf Deckungsbeiträge um die 90 €/ Mutterschaf, wobei in Direktvermarktung wesentlich höhere Beträge als in der Vermarktung über den Handel erzielt werden können. Nach Abzug der festen Kosten wird ein Arbeitseinkommen um die 60 €/ Mutterschaf erzielt. Die erzielte Arbeitsverwertung hängt im wesentlichen von der Anzahl benötigter Stunden pro Mutterschaf ab, wobei größere Herden einen geringeren Arbeitsaufwand pro Tier bedeuten, und somit zu einer höheren Arbeitsverwertung führen.

 

Bei stationärer Hüteschafhaltung und Koppelhaltung bleiben in der Praxis jedoch häufig weite Teile der Stallkosten unberücksichtigt, da der Stall dem Schäfer von z.B. der Gemeinde zu günstigen Bedingungen pachtweise überlassen wird oder der Betrieb ein (beinahe) ganz abgeschriebenes Stallgebäude besitzt, für das weder Abschreibungen noch Zinskosten kalkuliert werden. Dies schließt jedoch eine dauerhafte Wirtschaftsführung aus, da der Stall irgendwann erneuert werden muß.

Weitere Vorteile bei diesen beiden Betriebsformen ergeben sich aus der besseren Möglichkeit zur Direktvermarktung, durch die eine erheblich höhere Marktleistung erzielt werden kann.

 
Prämien

Im Zuge der GAP-Reform wurden in Deutschland mit Stichtag zum 01.01.2005 die Mutterschaf- und Ziegenprämien durch Prämien für selbst bewirtschaftetes Grünland und einen Betriebsindividuellen Beitrag (BiB), der sich aus früheren Prämienbezügen errechnet, ersetzt. SchafhalterInnen ohne oder mit wenig selbst bewirtschafteten Flächen (flächenlose oder flächenarme Betriebe), die früher Mutterschaf- oder Ziegenprämien erhalten haben, können "besondere Zahlungsansprüche" anmelden. Diese müssen - außer bei Betriebsneugründung - bis zum 17.05.2005 beantragt worden sein.

"Die neue GAP-Reform kann für Schafhalter deutliche finanzielle Vorteile bringen, da der Verlust der Mutterschafprämie durch die Grünlandprämie überkompensiert wird. Dies zeigt das folgende Beispiel: Nach Segger (2004) erhöht sich die Prämie für einen Schafbetrieb mit 500 Mutterschafen und 100 ha LF von ca. 70 Euro pro Hektar für die Jahre 2007 bis 2009 auf ca. 170 Euro pro Hektar ab 2013.

Für den Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg (Wenzler 2005) ist die Gewährung der Grünlandprämie für die Schafhalter im Einzelfall jedoch fraglich, da dies voraussetzt, dass die beihilfefähigen Flächen dem Betriebsinhaber mindestens 10 Monate uneingeschränkt zur Verfügung stehen müssen (BMVEL 2004). Die Einhaltung dieses Zeitraumes kann, insbesondere bei Truppenübungsplätzen und Winterweiden, teilweise aber auch bei Naturschutzgebieten Schwierigkeiten bereiten." (RÖSCH, C. et. al. 2007)

Agrar-Umweltprogramme 
  • AZL (Ausgleichszulage Landwirtschaft in benachteiligten Gebieten)
  • MEKA (vgl. v.a. MEKA B und G)
  • LPR (Landschaftspflegerichtlinie)

6. Literatur

  • AID (Hrsg. 2008): Schaf- und Ziegenrassen. 72 S. ISBN 978-3-8308-0482-6
  • BEINLICH, B. UND PLACHTER, H. (Hrsg.) (1995): Schutz und Entwicklung der Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb. – Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 520  S.
  • BEINLICH, B. (1995): Die historische Entwicklung der Schäferei in Südwestdeutschland. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 97–107.
  • BEYER, H. (1968): Versuche zur Erhaltung von Heideflächen durch Heidschnucken im Naturschutzgebiet "Heiliges Meer". - Natur und Heimat 28.Jg., H.4: 145-149.
  • BRENNER, S., PFEFFER, E. & SCHUMACHER, W. (2004): Extensive Schafbeweidung von Magerrasen im Hinblick auf Nährstoffentzug und Futterselektion. - Natur und Landschaft 4, 167-174
  • BURKART, B. (2004): Zur Effektivität von Schaf- und Ziegenbeweidung beim Offenlandmanagement. In: AKADEMIE FÜR NATUR- UND UMWELTSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG (Hrsg.): Beweidung mit großen Wild- und Haustieren. Beiträge der Akademie für Naturs- und Umweltschutz Baden-Württemberg Bd. 36. S. 44-50
  • CANTNER, E. (1986): "Schwarzgesichter" für die Landschaftspflege.- WWL 46:10.
  • DEUTSCHER VERBAND FÜR LANDSCHAFTSPFLEGE (DVL) E.V. (2003): Umweltgerechte Qualitätssicherung in Lammbeweidungsprojekten. Abschlussbericht mit CD-ROM, 40 S.
  • DEUTSCHER VERBAND FÜR LANDSCHAFTSPFLEGE (DVL) E.V. (2000): Jäger-Schäfer-Landschaftspfleger - Von der Konfrontation zur Kooperation. Tagungs-Dokumentation. 40 S.
  • EISCHEID, I. et. al. (2006): Entwicklung einer halboffenen Weidelandschaft im Großraum Hamburg. in: Natur und Landschaft 3/2006: 122-129
  • FISCHER, G. et al. (2004): Schafe. Das Fotobuch für die Praxis. Ulmer-Verlag ISBN 3-8001-4229-5
  • FISCHER, G. und RIEDER, H. (2005): Gutes vom Schaf. Ulmer-Verlag ISBN 3-8001-4375-7
  • FISCHER, S. F., POSCHLOD, P. UND BEINLICH, B. (1995): Die Bedeutung der Wanderschäferei für den Artenaustausch zwischen isolierten Schafdriften. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 229 - 256.
  • HARF, C. (2003): Beweidung mit großen Wild- und Haustieren - Bundesweite Fachtagung der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. in: Landinfo 5/2003: 33-36
  • HOCHBERG, H. (1985): Erfahrungen und Ergebnisse zur Schafweide auf Mittelgebirgsgrasland. - Tierzucht 39/7:310-313.
  • KLUMPP, C. und HÄRING, A. M. (2003): Situation der ökologischen Schafhaltung in Deutschland und Baden-Württemberg. in: Landinfo 4/2003: 92-94
  • KORN, S. von (1992): Schafe in Koppel- und Hütehaltung. Ulmer-Verlag. 198 S.  ISBN 3-8001-4528-6
  • KÜHNEMANN, H. (2007): Schafe. 2., aktualisierte Aufl. 2007. 96 S., 58 Farbf., 20 sw-Zeichn., geb. ISBN 978-3-8001-5473-9
  • LUICK, R. et. al. (2004): Studie zur betrieblichen Entwicklung und zum Weidemanagement des Projektes "Federseelamm"; Arbeitsgruppe Kulturlandschaft und Weideökologie an der FH Rottenburg (unveröff.).
  • MENDEL, C. (2008): Praktische Schafhaltung - das Basiswissen. Ulmer Verlag Stuttgart. 5. Aufl. 264 S.
  • RÖSCH, C. et. al. (2007): Energie aus dem Grünland - eine nachhaltige Entwicklung?; Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gesellschaft; Reihe Wissenschaftliche Berichte FZKA 7333; 178 S.
  • SAUER, N. (1999): Kosten- und Arbeitszeitbedarf für die Koppelschafhaltung in großen Beständen. Kalkulationsblatt zum Abschlußbericht des KU-Arbeitsvorhabens 1999. KTBL
  • SCHUMACHER, W., MÜNZEL, M. UND RIEMER, S. (1995): Die Pflege der Kalkmagerrasen. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 37-64.
  • SPATZ, G. (1994): Die Schafweide als Lebensraum; Betrachtung unter weidewirtschaftlichen Aspekten. - Dt. Schafzucht 22: 541-543.
  • TAMPE, K. UND HAMPICKE, U. (1995): Ökonomik der Erhaltung bzw. Restitution der Kalkmagerrasen und des mageren Wirtschaftsgrünlandes durch naturschutzkonforme Nutzung . - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 361-390.
  • WAGNER, F. und LUICK, R. (2002): Beweidung von FFH-Grünland - Ist im FFH-Grünland die Umstellung von Mähnutzung auf extensive Beweidung ohne Artenverlust möglich? in Landinfo 1/2003: 25-31
  • WENZLER, J.-G. (2003): Schafzucht und Schafhaltung in Baden-Württemberg - unter neuen Herausforderungen. In Landinfo 6/7/2003: 25-27
  • WILMANS, O. und MÜLLER, K. (1976): Beweidung mit Schafen und Ziegen als Landschaftspflegemaßnahme im Schwarzwald. in: Natur und Landschaft 10/1976: 271-274

7. Links

 
 

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